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Herstellung von Zunder aus Zunderschwamm

von Lothar Safier
fomes fomentarius 200x198

Der Zunderschwamm (fomes fomentarius) ist ein häufig vorkommender, mehrjähriger Röhrenpilz mit hartem bis holzigem Fruchtkörper, der parasitär auf Totholz, vor allem Buchen und Birken lebt. Gut zu erkennen ist er an seiner harten aschgrauen, zuweilen braunen Rinde, die oft von helleren konzentrischen Streifen bis Wülsten durchzogen ist. 10 bis 20 cm große Exemplare bei einer Dicke von 7 cm sind keine Seltenheit, der Pilz wird allerdings sehr viel größer und erreicht dann stolze 60 cm.
Kleiner als 10 cm mal 7 cm sollte er nicht sein, denn das, was wir brauchen, ist bloß das Trama, die etwa 0,5 - 2 cm dicke abgestorbene Röhrenschicht direkt unter der harten Rinde. Bei jungen und dementsprechend kleinen Exemplaren fällt diese Schicht so gering aus, daß der Aufwand sich nicht lohnt.

Wie gesagt, ist der Zunderschwamm ein mehrjähriger Pilz und kann dementsprechend zu jeder Jahreszeit geerntet werden. Mag man neugierige bis aufdringliche Besserwisser empfiehlt sich zur Ernte ein schöner Sonntagnachmittag im Sommer oder ein Feiertag zur Pilzsammelzeit.
Mitnehmen sollte man auf jeden Fall eine kleine aber stabile Säge oder eine Handaxt, die man möglichst in einer Tasche verstaut; der zuständige Förster wird sonst unruhig...

Und wenn ich Säge sage, meine ich eine Säge! Ein gutes, wirklich scharfes Messer verzweifelt nur allzu schnell an der harten Rinde, und auch mit der gezahnten Klinge des Schweizer Offiziersmessers ist das Abschneiden des Pilzes eine Tortur.

Ist man mit vollen Taschen zu Hause angekommen, fängt die Arbeit erst an: jetzt kann man das scharfe Messer gut gebrauchen. So vorsichtig wie möglich löst man das Trama aus dem Pilz heraus, schneidet alles, was sich nicht korkig bis ledrig anfühlt ab und schneidet dann gegebenenfalls der Länge nach, senkrecht zum Querschnitt des ausgelösten Stückes dünne Scheiben. Das lohnt sich natürlich nur, wenn das Trama dick genug ist.

Manche Leute schwören übrigens darauf, den Zunderschwamm erst drei bis fünf Stunden zu kochen, bevor sie anfangen zu schneiden; klar sollte dabei nur sein, daß das Kochen nichts für die Küche, sondern eher für den Keller oder Garten ist. Jedenfalls ist die Rinde nach dem Kochen ein wenig leichter zu lösen. Nach meiner Meinung ist das Aufwand-Nutzen-Verhältnis trotz allem ohne Kochen besser.

Große Sorgen muß man sich nicht machen, sollte man sich die eine oder andere kleine Schnittwunde beim Auslösen beibringen, Zunderschwamm hat erfahrungsgemäß(!) hervorragende blutstillende Eigenschaften.

Ist der Pilz seziert, bleibt eine ganze Menge an Abfall zurück, den man höchstens noch als Wundauflage benutzen kann; allerdings wird man sich kaum oft genug schneiden, um all den Müll gebrauchen zu können. Auf den Kompost also damit...

Nun geht es daran, das gewonnene Rohmaterial zu nitrieren. Ich benutze dazu Kaliumnitrat (Salpeter) aus der Apotheke, dementsprechend teuer ist es auch; allerdings gleichsam ergiebig und geruchsneutral. Kaliumnitrat ist unter anderem als Grundstoff von Schwarzpulver äußerst feuergefährlich, deshalb empfiehlt sich sachgemäße Aufbewahrung!

In einer gesättigten Lösung aus Wasser und Kaliumnitrat wird der Zunder für circa zwei Wochen eingelegt und anschließend getrocknet. Es empfiehlt sich, die Zunderstücke auf einen Faden aufzuziehen und luftig aufzuhängen, damit er nicht schimmelt.
Puristen nitrieren Zunder natürlich nicht in Kaliumnitrat, sondern authentisch in Urin. Schweine-Urin soll besonders gut sein, man munkelt jedoch auch, daß der Mittelstrahl des Urins eines Knaben, der noch nie bei einer Frau gelegen hat, bei Vollmond aufgefangen und der Zunder darin eingelegt, die besten Ergebnisse bringe...

Je nach Temperatur und Luftzufuhr ist der nun beinahe fertige Zunder nach zwei Wochen getrocknet. Nun muß er bloß noch kräftig gewalkt oder geklopft werden; ein Holzhammer erleichtert diese Arbeit sehr. Im besten Fall fühlt er sich nach dieser Prozedur wie sehr weiches Wildleder an, ausreichend ist aber auch eine flexibel-korkähnliche Konsistenz.

Erfahrungsgemäß fängt er den Funken sehr schnell, ohne dann rapide zu verglühen, genau richtig, um auch unter erschwerten Bedingungen Feuer zu entfachen.




Mail  |  ©  |  intern Letzte Änderung am 17.04.2007